Bereits vor ein paar Monaten hatte ich mich zum 53. Engadin Skimarathon angemeldet, vorsichtshalber in der klassischen Technik, da ich mit der Skating Technik noch immer nicht so gut zurechtkomme. Damals war ich noch von einem normalen Winter ausgegangen, bei dem am zweiten Sonntag im März im Engadin genügend Schnee zum Langlaufen liegt. Doch in diesem Winter gab es im gesamten Alpenraum viel weniger Schnee als in anderen Jahren. Die Veranstalter mussten sich etwas einfallen lassen, um die Veranstaltung durchzuführen. Zehn Tage vor dem Event erhielt ich eine E-Mail, in der ich über Anpassungen der Strecke informiert wurde. Aufgrund der Streckenanpassungen ging die Marathonstrecke über mehr als 44 anstelle von 42 Kilometer. Weiter wurde ich informiert, dass auf den Seen zwischen Maloja und Pontresina keine klassische Spur präpariert werden kann. Ich erhielt die Optionen meinen Startplatz auf 2024 zu übertragen, in der Skating Technik zu laufen oder eben trotz aller Widrigkeiten in der klassischen Technik anzutreten. Ich entschied mich für die dritte Option.

Am Vortag vom Event, als ich in Pontresina meine Startnummer abholte, wurde mir klar, dass ich in der klassischen Technik ein Exot sein würde. Beim Unterhaltungsprogramm der beiden Musiker „Würms und Frei“ stellte Patrik Würms die Frage ins Publikum, wer denn noch in der klassischen Technik, so wie er, über die Halbmarathonstrecke antreten würde. Auf seine Frage gingen nur ein paar wenige Hände hoch.

Am Sonntag war es so weit. Mit einem Sonderzug war ich von Tiefencastel nach St. Moritz und mit einem Shuttle Bus weiter nach Maloja gereist. Die Läufer waren in 30 Startblöcke eingeteilt. Um 8:15 Uhr starteten die Elite Damen, drei Minuten später die Elite Herren, alle drei bis sechs Minuten folgte ein Startblock mit mehreren 100 Läufern. Der letzte Startblock startete um 10 Uhr, insgesamt 9168 Läufer über die Marathonstrecke und 1698 Läufer über die Halbmarathonstrecke. Als die Läufer aus dem letzten Startblock starteten, waren die Elite Läufer bereits in S-chanf im Ziel. Da dies für mich die erste Teilnahme am Engadiner Skimarathon war und ich nicht guten Gewissens angeben konnte weniger als 3 Stunden 50 Minuten für die Strecke zu benötigen, startete ich aus einem der letzten Startblöcke um 9 Uhr 52.

Über die ersten Seen, den Silsersee und Silvaplanasee, ging es für meine Verhältnisse recht flott, über eine feine Rille im Eis mit Doppelstockschub. Für die ersten 10 km benötigte ich weniger als 45 Minuten. Nach 16 km ging es anstelle hoch in den Stazerwald runter nach St. Moritz-Bad und weiter über den St. Moritzersee, den Stazersee, hoch zur Meierei und weiter zurück auf die Originalstrecke in Richtung Pontresina, wo das Ziel für die Halbmarathonläufer lag. Vor der steil abfallenden 180 Grad Kehre kurz vor St. Moritz-Bad gab es einen Stau. Ein paar Läufer zogen dort ihre Skier ab und stiegen durch den Wald runter auf die Fortsetzung der Strecke. Ich dagegen stellte mich in den Stau und es ging über 30 Minuten bis ich am vorderen Stauende war und wie viele andere mehr schlecht als recht den steilen sulzigen Abhang hinunterrutschte, jedoch ohne die Skier abzuziehen. Die Läufer mit niedrigeren Startnummern bzw. aus vorderen Startblöcken mussten an dieser Stelle sicher nicht so lange anstehen. Beim Anstieg zur Meierei gab es den nächsten Stau, jedoch bei weitem nicht so lange wie vor St. Moritz-Bad. Man war angehalten in einer Zweierreihe dem Vordermann zu folgen. Einem Läufer, der sich zu diesem Zeitpunkt gerade in meiner Nähe befand, war das zu langsam. Er schnallte die Skier ab und wollte den Tross zu Fuß überholen. Ein Ordner stoppte ihn und es gab eine hitzige Diskussion. Dem Läufer wurde mit Disqualifikation gedroht und er musste sich wieder hinten in die Reihe einordnen. In einem der vorderen Startblöcke hätte ich sicher nicht so viel Zeit bei diesen Abschnitten verloren. Weitere kurze Stopps legte ich bei den Verpflegungsstellen ein, nach 12 km, 22 km, 32 km, 36 km und 39 km. Die Strecke von Pontresina bis S-chanf war überwiegend eben und ging mehr oder weniger gerade aus, entlang der Flüsse Flaz und Inn, vorbei am Engadin Airport, Bever, La Punt, bis nach S-chanf. Von der auf diesem Abschnitt versprochenen Spur für die Läufer in der klassischen Technik war nicht mehr viel übrig, da doch schon viele Läufer in der Skating Technik darüber gefahren waren. Und auch der Wind war auf diesem Abschnitt deutlich zu spüren, zum Teil von vorne, zum Teil von hinten. In La Punt hörte ich eine Durchsage, dass bereits über 6000 der gestarteten Männer am Kontrollpunkt vorbeigelaufen waren und noch 300 folgen würden. Das ernüchterte mich doch ein wenig, hatte ich doch schon viele Läufer mit niedrigeren Startnummern, also aus vor mir gestarteten Startblöcken überholt. Es waren aber auch schon viele Läufer in der Skating Technik an mir vorbeigelaufen. Im Endklassement sah ich mich mit einer Gesamtzeit von über 4 Stunden 54 Minuten auf dem Rang 6593 Rang bei den Männern unter 6957, die gestartet waren. Eine nach Techniken getrennte Rangliste suchte ich erst einmal vergebens, habe dann aber doch eine über die Läufer in klassischer Technik gefunden.  In dieser belegte ich den 98. Rang bei 170 klassierten Männern. Mit diesem Ergebnis bin ich zufrieden, wenn man bedenkt, dass ein paar der vor mir klassierten aus vorderen Startblöcken gestartet sind und an den Staustellen nicht so lange wie ich anstehen mussten oder vielleicht beim Stau vor St. Moritz-Bad durch den Wald abgekürzt haben. Meine mit der Sportuhr gestoppte Zeit, inkl. ein paar hundert Metern bis zum Beginn der offiziellen Zeitnahme, und abzüglich der Standzeiten betrug 4 Stunden 15 Minuten.

Vor dem Start.
Anstehen vor der Abfahrt nach St. Moritz-Bad